Herbstzeit, 18.09.17

Am Ende eines langen und wundervollen Sommers ist nun - mit anhaltendem Regen und Temperaturen im einstelligen Bereich - der Herbst nicht mehr aufzuhalten. Noch sind die Blätter nicht verfärbt, aber an manchen Tagen wogt bereits Nebel durch die triefend nassen Wälder und man kann die Pilze förmlich riechen. In den Regenpausen habe ich mich im Umfeld meines Wohnortes auf die Suche nach herbstlichen Motiven gemacht. Trotz Unmengen an optisch auffälligen, unterschiedlichsten Pilzen, ist es alles andere als einfach, fotografisch ansprechende ausfindig zu machen. Hat man aber erst mal eine günstige Stelle gefunden, so lohnt sich das Experimentieren mit unterschiedlichen Brennweiten und Perspektiven.

Fortsetzung: Orchideen - vom Meeresspiegel bis zum Hochgebirge, 18.06.17

Mitte Juni wird es Zeit ein paar Höhenmeter mehr auf der Suche nach Orchideen zurückzulegen. Die erste, richtige Bergtour führte uns in die Steiermark und wie nicht anders zu erwarten, hatten wir mal wieder richtig Glück mit dem Wetter. Nach zwei Stunden Autofahrt und knapp 700 Höhenmeter mit 20 Kilogramm am Rücken erwartete uns am Hochplateau: Regen ... was auch sonst? Nicht nur ein bisschen, sondern richtig ordentlich! Dazu orkanartiger Nordwind und Temperaturen im einstelligen Bereich. Bei diesem Wetter ist Makrofotografie nicht wirklich sinnvoll, doch "glücklicherweise" sind auch die Kohlröschen erst in Knospe. Das Edelweiß begleitet uns hingegen bereits zu hunderten entlang des Weges und so habe ich nach Abzug der Regenfront die Stimmung zur Erinnerung festgehalten ...

Nur zwei Tage später stand ein sehr vertrauter Berg am Programm. Zu meiner großen Überraschung hier ein völlig anderes Bild: der Großteil der Steineralpen-Kohlröschen (Nigritella lithopolitanica) hat den Höhepunkt der Blüte bereits überschritten - nur der Wind und die Temperatur kamen mir vertraut vor. Eine äußerst seltene Hybride zwischen der Mücken-Händelwurz und dem Steineralpen-Kohröschen (x Gymnigritella turnowskyi) war zum Glück aber noch in Knospe und so folgte wenige Tage später ein neuerlicher Aufstieg. Zwischenzeitlich nutzte auch mein Freund die Gelegenheit, diese botanische Kostbarkeit zu fotografieren und nach der dritten Begehung konnten wir letztendlich sechs x Gymnigritella turnowskyi am selben Berg zählen, drei davon in einer herrlichen Gruppe! Den überwiegenden Teil dieser Funde habe ich ihm zu verdanken, denn er scheint die Gabe zu haben, von außergewöhnlichen Orchideen nahezu angezogen zu werden!

Es sind wieder ein paar Tage vergangen und um noch Orchideen zu finden muss man mittlerweile noch weiter auf die Berge. In einem Gebiet, wo tausende Duft-Händelwurz, hunderte Mücken-Händelwurz, schwarze und auch zweifarbige Kohlröschen auf engstem Raum vorkommen, besteht immer auch die Möglichkeit, schöne Hybriden dieser Arten zu finden. Die bunten Wiesen und der betörende Duft erstgenannter Orchideen machen diese Besuche zu einem unvergesslichen Erlebnis! Offensichtlich scheint heuer ein sehr gutes Jahr für Hybriden zu sein, denn noch nie zuvor haben wir derart viele gesehen. x Gymnigritella heufleri, die Hybride zwischen der wohlriechenden oder Duft-Händelwurz und dem schwarzen Kohlröschen fanden wir in großer Anzahl, darunter auch herrliche Gruppen! Unter den unzähligen schwarzen Kohlröschen (Nigritella rhellicani) fanden sich sehr vereinzelt auch Farbformen, mit deutlich hellerem rot und auch eine Pflanze, deren Blütenstand die zwei- bis dreifache Höhe eines normalen Kohlröschens hatte! Auch heuer leuchteten uns wieder zwei Hybriden mit signalroter Farbe bereits von weitem entgegen. Da das zweifarbige Kohlröschen (Nigritella bicolor) in unmittelbarer Nähe wächst, darf man wohl auch davon ausgehen, das dies eine der beteiligten Elternarten ist. Auch eine bis dato noch nicht bestimmte Hybride konnte wieder festgestellt werden, diesmal sogar zwei Pflanzen und als ob das nicht schon genug wäre, setzte ein Fund einer weißen x Gymnigritella suaveolens (Mücken-Händelwurz fo. albescens x schwarzes Kohlröschen fo. albiflora) dem ganzen noch die Krone auf ... was für ein Orchideenjahr!

Im Juli 2016 wurde von Herrn Stöhr Oliver eine kleine, unscheinbare und dennoch äußerst interessante Orchidee in Osttirol gefunden. Bei dieser, für Österreich neuen Art, handelt es sich um Liparis nemoralis, die überhaupt erst im Jahr 2012 als Liparis loeselii subsp. nemoralis aus Italien neu beschrieben wurde und seit 2016 als eigenständige Art angesehen wird. Beim Fundort in Osttirol handelt es sich um ein sehr kleinflächiges Vorkommen, das 2016 mit rund 60 Pflanzen etwa zehn Prozent des Weltbestandes darstellte! Bereits Mitte Juni habe ich den Fundort nach den Anhaltspunkten der Publikation gemeinsam mit einem Freund aufgesucht und wir wurden überraschenderweise auch recht schnell fündig. Im Juli haben wir den Standort erneut aufgesucht und einmal mehr haben wir uns gefragt, ob es wirklich sinnvoll ist, solche Fundorte weiter zu geben.

Auch wenn es verständlich ist, das jeder Orchideenspezialist und -liebhaber diese Pflanze einmal in der Natur sehen und auch ein paar Aufnahmen mit nach Hause nehmen will, so gibt es doch immer wieder einzelne, denen eine Aufnahme wichtiger ist als alles andere. Dementsprechend sah auch der Fundort aus: einige Pflanzen wurden rücksichtslos zertreten oder von Stativen und dgl. niedergedrückt, weil inmitten der kleineren Pflanzen eine mit größerem Blütenstand steht ... mit einer längeren Brennweite wäre dies sehr leicht zu umgehen gewesen. Ich möchte mich keinesfalls als Moralapostel aufspielen, wenn jedoch jeder derart rücksichtslos vorgeht, dann gibt es bald nichts mehr zu bewundern!

Im direkten Umfeld dieser Rarität konnte auch das Netzblatt (Goodyera repens) in Anzahl festgestellt werden. Eine weitere, unscheinbare und leicht zu übersehende Orchidee der Gebirge ist die Zwergorchis (Chamorchis alpina), die ihrem deutschen Namen mehr als gerecht wird. Durch die extreme Trockenheit in diesem Jahr ist bereits um den 10. Juli der überwiegende Teil der Arten durch. Selbst auf den Bergen hat die Orchideensaison heuer ein sehr zeitiges Ende gefunden. Der Widerbart (Epipogium aphyllum) ist eine der letzten Arten. An einem herrlichen Standort hat mein Freund an die 300 Exemplare gefunden, die hier in Gemeinschaft mit dem Netzblatt (Goodyera repens) und auch dem Herz-Zweiblatt (Neottia cordata) vorkommen. Einigen wenigen fehlt die typisch rötliche Färbung der Stängel und Blüten. Mitte bis Ende August blüht die letzte Orchidee des Jahres, die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis). Gerade mal zwei Standorte sind in Kärnten bekannt und bei beiden ist eine verträgliche Beweidung der Garant für das Vorkommen dieser seltenen Art. Da die Herbst-Drehwurz hier besonders an den "kahlgefressenen" Stellen wächst, ist das größte Problem, die teils völlig freistehenden Pflanzen noch vor den Rindern zu sichten. Im Vorjahr habe ich den Standort gemeinsam mit meinem Freund aufgesucht und eine besonders fotogene Gruppe von drei Pflanzen per GPS Koordinaten gesichert, damit ich sie in der Morgendämmerung auch wieder finde. Doch bereits am Rückweg der Suche konnten wir die Pflanzen trotz GPS Koordinaten nicht mehr sichten. Nur noch drei, etwa zwei Zentimeter hohe Stängel standen da und eines von drei Rindern lag wenige Meter weit entfernt in der Weide ... man hatte beinahe den Eindruck, das es über meinen fassungslosen Gesichtsausdruck amüsiert war. Heuer hatte ich, vermutlich mit derselben Gruppe, etwas mehr Glück und auch wenn mit dieser Art die Orchideensaison endet, so bleiben neben vielen Erinnerungen auch einige Aufnahmen und die Vorfreude auf die nächste Saison!

Orchideen - vom Meeresspiegel bis zum Hochgebirge, 22.04.17

Auch im heurigen Frühjahr ist Istrien eines meiner bevorzugten Reiseziele. Bereits Ende Feber sind die ersten Orchideen aus der Sippe der Spinnen-Ragwurz in Blüte ... kaum vorstellbar, wenn bei uns oft noch Schnee liegt.

Bereits wenige Wochen später folgen weitere Orchideen und im April ist es schwer, sich auf ein(e) Thema/Art zu konzentrieren. Zu dieser Zeit sind bereits Anacamptis morioAnacamptis papilionacea sowie die Hybride dieser beiden Arten, einige Orchis Arten (anthropophora, paucifloraprovincialispurpurea, simia) und Ophrys Arten (bertoloniibombyliflora, holosericaincubacea, tommasinii  und untchjii) in Blüte. Gerade bei schönem Wetter ist aber die Zeitspanne für fotogenes Licht derart knapp bemessen, das man einfach Prioritäten setzen muss. So fällt die Auswahl dann meist auf besonders fotogene oder außergewöhnliche Pflanzen. Es passiert nicht oft, das der Wunsch besteht, Orchideen mit einem Weitwinkel zu fotografieren, doch auch solche Standorte haben wir mittlerweile gefunden ... dumm nur, wenn man kein Weitwinkel mit hat. So ist es mir mit Orchis pauciflora ergangen, die ich an einem herrlich exponiertem Standort fotografieren wollte. Bei der Ankunft herrschten jedoch Witterungsverhältnisse, die selbst das Auto ins Schwanken brachten ... und wie sich später noch herausstellen sollte, wurde es die nächsten Stunden nicht besser. Obwohl viele fotogene Standorte einzelner Arten bereits bekannt sind, ist es dennoch äußerst schwierig, den richtigen Blühzeitpunkt zu erraten. Durch die extreme Trockenheit in diesem Jahr sind die Pflanzen oft sehr kleinwüchsig und teilweise innerhalb einer Woche völlig verblüht. Mitte April gab es auch in Istrien Nächte mit Minusgraden und dementsprechend viele umgeknickte Orchideen.  Andere Standorte wurden von Wildschweinen derart massiv aufgewühlt, das keine Orchideen mehr vorhanden sind oder von Schafen überweidet, das auch hier kaum eine Orchidee das Stadion der Blüte erreicht ... und selbst wenn sonst alle Voraussetzungen gegeben sind, kann einem das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. Das auch Motive im näheren Umfeld nicht unbeachtet bleiben, versteht sich von selbst und ein Besuch bei den Schachbrettblumen ist mittlerweile fast schon Tradition.

In diesem Jahr ist vieles anders. Manche Arten sind nahezu völlig ausgeblieben, was möglicherweise der extrem trockenen Witterung der letzten Monate geschuldet ist. Auch einige Raritäten suchten wir heuer vergeblich an den bekannten Standorten. Andere Arten scheinen hingegen zahlreicher zu sein und waren an Standorten zu finden, die uns im Vorjahr hätten auffallen müssen. So zeigt sich mal wieder, das man sich bietende Möglichkeiten umgehend nutzen sollte, denn bereits im nächsten Jahr könnte alles anders sein! Umso mehr haben wir uns über einen neuen Standort von Anacamptis laxiflora und dem erstmaligen Fund der Hybride Anacamptis x alata (Anacamptis laxiflora x Anacamptis morio), über ein sehr helles Affen-Knabenkraut (Orchis simia) und über Ophrys zinsmeisteri in bestem Blühzustand gefreut! Das Orchideenjahr schreitet voran und erstmals haben wir eine Wiese gefunden, in der nicht nur überraschend viele Orchideenarten wachsen, sondern auch die Begleitvegetation richtig schön bunt ist ... da wartet man dann auch mal ein paar Stunden, bis die Regenfront weiter zieht. Neben einigen weiteren, botanischen Highlights (wie der Bienen-Ragwurz in der Form Ophrys apifera var. bicolor und diese auch noch hypochrom)  konnten wir an einem Fundort auch etliche Raupen des Osterluzeifalters sichten - ein Fixpunkt im nächsten Frühling! In heimischen Gefilden hatten wir weniger Glück: die gelbe Variante vom Frauenschuh (Cypripedium calceolus var. flavum) konnte heuer zwar an zwei Fundorten bestätigt werden - jedoch in nur einer, bzw. zwei Pflanzen ...

Mittlerweile ist es Juni geworden und nach wie vor dreht sich noch alles um Orchideen, wenn auch mittlerweile hauptsächlich in Österreich. Beim Frauenschuh waren wir schon reichlich knapp dran, zumal die sehr warmen Temperaturen die Blühzeit doch merklich verringert haben - für ein paar Aufnahmen hat es aber dennoch gereicht. Gleiches gilt auch für die sehr seltene Variation der Bienen-Ragwurz Ophrys apifera var. tilaventina. Nur noch sehr wenige Pflanzen waren halbwegs ansehnlich und nach einer sehr feuchten Nacht blieb uns kaum Zeit, ein paar vernünftige Aufnahmen zu machen - hunderte Stechmücken und mindestens ebenso viele Kriebelmücken machen es einem unmöglich, sich auf das Fotografieren zu konzentrieren! In letzter Zeit ist Regen an der Tagesordnung und so haben wir das Spitzel-Knabenkraut (Orchis spitzelii), eine außerordentlich große Hybride zwischen dem dreizähnigen Knabenkraut und dem Brand-Knabenkraut (Neotinea x dietrichiana) sowie das winzige Herz-Zweiblatt (Neottia cordata) mal wieder im Regen fotografiert. Glücklicherweise folgt auf Regen auch mal Sonnenschein und mit dezentem  Licht im Wald entstanden auch noch ein paar stimmungsvolle Aufnahmen.