VTNÖ Wettbewerbsplatzierung, 05.11.17

Heuer habe ich mich beinahe ausschließlich mit Orchideen befasst und es freut mich, das eine dieser Aufnahmen auch unter den ausgezeichneten Aufnahmen beim Wettbewerb zum Österreichischen Naturfotografen 2017 zu finden ist.

Kategorie Pflanzen, Highlight: "das letzte seiner Art"

Innerhalb der letzten drei Jahre galt meine Aufmerksamkeit den Orchideen Mitteleuropas und selten zuvor wurde mir die Problematik zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz deutlicher vor Augen geführt. Lebensraumverlust durch Bebauung, landwirtschaftliche Nutzung oder aber durch die Einstellung Jahrhunderte langer Beweidung sind nur einige der Ursachen. Auch Unkenntnis und Ignoranz stehen hoch im Kurs, wenn es um die Vernichtung kleiner Restbestände geht ...

Naturschutzgebiete scheinen die einzige Möglichkeit, um diese in ihrer Vielfalt zu erhalten. Die Aufnahme entstand auf Kamenjak, einem Naturschutzgebiet im Süden Istriens. Während die Halbinsel früher als militärisches Übungsgebiet genutzt wurde, ist sie heute Magnet für Massen an Touristen, die jedoch zum überwiegenden Teil von den idyllischen Buchten und diversen Lokalitäten angezogen werden, oder die Grobsteinigen Wege zur Demonstration ihrer "Fahrkünste" nutzen. Der Reichtum an botanischen Kostbarkeiten scheint hier kaum jemanden zu interessieren. Durch die Einstellung der militärischen Nutzung würden die großen Trockenwiesen heute binnen kurzer Zeit verbuschen, weshalb ein Schäfer eine große Herde Schafe über die Insel treibt. So werden dieselben Flächen mehrfach am Tag immer wieder abgefressen und die einst unglaublich orchideenreichen Trockenwiesen gleichen in der Blühzeit eher einem einheitlich grünem Rasen. Nur wenige Orchideen schaffen es zur Blüte und diese meist im Randbereich dorniger Büsche, welche von den Schafen gemieden werden. Ohne regulierende Maßnahmen geht es also nicht, doch auch zu viel schadet der Natur. Insofern erschien mir der Titel "das letzte seiner Art" sehr passend, um auf solche Problemstellungen hinzuweisen.

Herbstzeit, 18.09.17

Am Ende eines langen und wundervollen Sommers ist nun - mit anhaltendem Regen und Temperaturen im einstelligen Bereich - der Herbst nicht mehr aufzuhalten. Noch sind die Blätter nicht verfärbt, aber an manchen Tagen wogt bereits Nebel durch die triefend nassen Wälder und man kann die Pilze förmlich riechen. In den Regenpausen habe ich mich im Umfeld meines Wohnortes auf die Suche nach herbstlichen Motiven gemacht. Trotz Unmengen an optisch auffälligen, unterschiedlichsten Pilzen, ist es alles andere als einfach, fotografisch ansprechende ausfindig zu machen. Hat man aber erst mal eine günstige Stelle gefunden, so lohnt sich das Experimentieren mit unterschiedlichen Brennweiten und Perspektiven.

Da das Wetter die letzten Wochen eher dürftig war, beschloss ich gemeinsam mit meinem Freund noch einmal einen Tagesausflug nach Kroatien/Istrien. Grundsätzlich wollten wir uns einfach einen Überblick verschaffen, was um diese fortgeschrittene Jahreszeit (Anfang Oktober) noch an Motiven im Bereich der Pflanzen und Insekten zu finden ist. Als wir im Vorfeld auch noch die Information bekamen, das die Herbst-Drehwurz noch blühen sollte, freuten wir uns sehr auf diesen Tag - und wir sollten nicht enttäuscht werden! Bereits beim ersten, vermuteten Standort wurden wir schnell fündig. Auch wenn der ideale Blühzeitpunkt bereits überschritten war, konnten dennoch einige schöne Pflanzen gesichtet werden. Im Bereich der Insekten waren neben erstaunlich vielen Schmetterlingen auch einige Gottesanbeterinnen (Mantis religiosa) und sehr auffällige Schrecken, wie die gewöhnliche Nasenschrecke (Acrida ungarica) aktiv. Mit so vielen Motiven hätte ich um diese Zeit nicht mehr gerechnet und so verging dieser außergewöhnlich schöne Tag wie im Flug.

Fortsetzung: Orchideen - vom Meeresspiegel bis zum Hochgebirge, 18.06.17

Mitte Juni wird es Zeit ein paar Höhenmeter mehr auf der Suche nach Orchideen zurückzulegen. Die erste, richtige Bergtour führte uns in die Steiermark und wie nicht anders zu erwarten, hatten wir mal wieder richtig Glück mit dem Wetter. Nach zwei Stunden Autofahrt und knapp 700 Höhenmeter mit 20 Kilogramm am Rücken erwartete uns am Hochplateau: Regen ... was auch sonst? Nicht nur ein bisschen, sondern richtig ordentlich! Dazu orkanartiger Nordwind und Temperaturen im einstelligen Bereich. Bei diesem Wetter ist Makrofotografie nicht wirklich sinnvoll, doch "glücklicherweise" sind auch die Kohlröschen erst in Knospe. Das Edelweiß begleitet uns hingegen bereits zu hunderten entlang des Weges und so habe ich nach Abzug der Regenfront die Stimmung zur Erinnerung festgehalten ...

Nur zwei Tage später stand ein sehr vertrauter Berg am Programm. Zu meiner großen Überraschung hier ein völlig anderes Bild: der Großteil der Steineralpen-Kohlröschen (Nigritella lithopolitanica) hat den Höhepunkt der Blüte bereits überschritten - nur der Wind und die Temperatur kamen mir vertraut vor. Eine äußerst seltene Hybride zwischen der Mücken-Händelwurz und dem Steineralpen-Kohröschen (x Gymnigritella turnowskyi) war zum Glück aber noch in Knospe und so folgte wenige Tage später ein neuerlicher Aufstieg. Zwischenzeitlich nutzte auch mein Freund die Gelegenheit, diese botanische Kostbarkeit zu fotografieren und nach der dritten Begehung konnten wir letztendlich sechs x Gymnigritella turnowskyi am selben Berg zählen, drei davon in einer herrlichen Gruppe! Den überwiegenden Teil dieser Funde habe ich ihm zu verdanken, denn er scheint die Gabe zu haben, von außergewöhnlichen Orchideen nahezu angezogen zu werden!

Es sind wieder ein paar Tage vergangen und um noch Orchideen zu finden muss man mittlerweile noch weiter auf die Berge. In einem Gebiet, wo tausende Duft-Händelwurz, hunderte Mücken-Händelwurz, schwarze und auch zweifarbige Kohlröschen auf engstem Raum vorkommen, besteht immer auch die Möglichkeit, schöne Hybriden dieser Arten zu finden. Die bunten Wiesen und der betörende Duft erstgenannter Orchideen machen diese Besuche zu einem unvergesslichen Erlebnis! Offensichtlich scheint heuer ein sehr gutes Jahr für Hybriden zu sein, denn noch nie zuvor haben wir derart viele gesehen. x Gymnigritella heufleri, die Hybride zwischen der wohlriechenden oder Duft-Händelwurz und dem schwarzen Kohlröschen fanden wir in großer Anzahl, darunter auch herrliche Gruppen! Unter den unzähligen schwarzen Kohlröschen (Nigritella rhellicani) fanden sich sehr vereinzelt auch Farbformen, mit deutlich hellerem rot und auch eine Pflanze, deren Blütenstand die zwei- bis dreifache Höhe eines normalen Kohlröschens hatte! Auch heuer leuchteten uns wieder zwei Hybriden mit signalroter Farbe bereits von weitem entgegen. Da das zweifarbige Kohlröschen (Nigritella bicolor) in unmittelbarer Nähe wächst, darf man wohl auch davon ausgehen, das dies eine der beteiligten Elternarten ist. Auch eine bis dato noch nicht bestimmte Hybride konnte wieder festgestellt werden, diesmal sogar zwei Pflanzen und als ob das nicht schon genug wäre, setzte ein Fund einer weißen x Gymnigritella suaveolens (Mücken-Händelwurz fo. albescens x schwarzes Kohlröschen fo. albiflora) dem ganzen noch die Krone auf ... was für ein Orchideenjahr!

Im Juli 2016 wurde von Herrn Stöhr Oliver eine kleine, unscheinbare und dennoch äußerst interessante Orchidee in Osttirol gefunden. Bei dieser, für Österreich neuen Art, handelt es sich um Liparis nemoralis, die überhaupt erst im Jahr 2012 als Liparis loeselii subsp. nemoralis aus Italien neu beschrieben wurde und seit 2016 als eigenständige Art angesehen wird. Beim Fundort in Osttirol handelt es sich um ein sehr kleinflächiges Vorkommen, das 2016 mit rund 60 Pflanzen etwa zehn Prozent des Weltbestandes darstellte! Bereits Mitte Juni habe ich den Fundort nach den Anhaltspunkten der Publikation gemeinsam mit einem Freund aufgesucht und wir wurden überraschenderweise auch recht schnell fündig. Im Juli haben wir den Standort erneut aufgesucht und einmal mehr haben wir uns gefragt, ob es wirklich sinnvoll ist, solche Fundorte weiter zu geben.

Auch wenn es verständlich ist, das jeder Orchideenspezialist und -liebhaber diese Pflanze einmal in der Natur sehen und auch ein paar Aufnahmen mit nach Hause nehmen will, so gibt es doch immer wieder einzelne, denen eine Aufnahme wichtiger ist als alles andere. Dementsprechend sah auch der Fundort aus: einige Pflanzen wurden rücksichtslos zertreten oder von Stativen und dgl. niedergedrückt, weil inmitten der kleineren Pflanzen eine mit größerem Blütenstand steht ... mit einer längeren Brennweite wäre dies sehr leicht zu umgehen gewesen. Ich möchte mich keinesfalls als Moralapostel aufspielen, wenn jedoch jeder derart rücksichtslos vorgeht, dann gibt es bald nichts mehr zu bewundern!

Im direkten Umfeld dieser Rarität konnte auch das Netzblatt (Goodyera repens) in Anzahl festgestellt werden. Eine weitere, unscheinbare und leicht zu übersehende Orchidee der Gebirge ist die Zwergorchis (Chamorchis alpina), die ihrem deutschen Namen mehr als gerecht wird. Durch die extreme Trockenheit in diesem Jahr ist bereits um den 10. Juli der überwiegende Teil der Arten durch. Selbst auf den Bergen hat die Orchideensaison heuer ein sehr zeitiges Ende gefunden. Der Widerbart (Epipogium aphyllum) ist eine der letzten Arten. An einem herrlichen Standort hat mein Freund an die 300 Exemplare gefunden, die hier in Gemeinschaft mit dem Netzblatt (Goodyera repens) und auch dem Herz-Zweiblatt (Neottia cordata) vorkommen. Einigen wenigen fehlt die typisch rötliche Färbung der Stängel und Blüten. Mitte bis Ende August blüht die letzte Orchidee des Jahres, die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis). Gerade mal zwei Standorte sind in Kärnten bekannt und bei beiden ist eine verträgliche Beweidung der Garant für das Vorkommen dieser seltenen Art. Da die Herbst-Drehwurz hier besonders an den "kahlgefressenen" Stellen wächst, ist das größte Problem, die teils völlig freistehenden Pflanzen noch vor den Rindern zu sichten. Im Vorjahr habe ich den Standort gemeinsam mit meinem Freund aufgesucht und eine besonders fotogene Gruppe von drei Pflanzen per GPS Koordinaten gesichert, damit ich sie in der Morgendämmerung auch wieder finde. Doch bereits am Rückweg der Suche konnten wir die Pflanzen trotz GPS Koordinaten nicht mehr sichten. Nur noch drei, etwa zwei Zentimeter hohe Stängel standen da und eines von drei Rindern lag wenige Meter weit entfernt in der Weide ... man hatte beinahe den Eindruck, das es über meinen fassungslosen Gesichtsausdruck amüsiert war. Heuer hatte ich, vermutlich mit derselben Gruppe, etwas mehr Glück und auch wenn mit dieser Art die Orchideensaison endet, so bleiben neben vielen Erinnerungen auch einige Aufnahmen und die Vorfreude auf die nächste Saison!